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<dc:title xml:lang="de">Tradition und Transformation : zur Einleitung</dc:title>

  
<dc:description xml:lang="de">Das 18. Jahrhundert gilt in vielerlei Hinsicht als eine Übergangszeit zwischen der Frühen Neuzeit und der Moderne, in der traditionelle Strukturen aufzubrechen begannen und einem neuen Verständnis von Herrschaft, Wirtschaft und Gesellschaft Platz machten. Mit den Begriffen Staatsverdichtung und Ökonomisierung, Barock und Aufklärung lässt sich das 18. Jahrhundert mit Blick auf Verwaltung, Lebenswelt und Kultur charakterisieren, wobei gerade die Gegensätze prägend waren: Die Jahrzehnte nach dem osmanischen Angriff 1683 standen ganz im Zeichen des Barock, der sich künstlerisch und architektonisch in zahlreichen Stiften und Klöstern, Schlössern, Wallfahrtskirchen und Bürgerhäusern manifestierte und der noch heute das Antlitz des Landes prägt. Die Pietas Austriaca, die österreichisch-habsburgische Frömmigkeit mit ihren überbordenden Ausdrucksformen, erlebte in Form von allgegenwärtigen Wallfahrten, prunkvollen Prozessionen und den vielerorts entstehenden Bruderschaften ihren Höhepunkt. Zur Finanzierung der barocken „Bauwut“ trieben adelige und geistliche Grundherren die Ökonomisierung ihrer Güter voran, womit auch eine Erhöhung des Feudaldrucks auf die bäuerlichen Untertanen einherging. Dem Land der herrschenden Adeligen und Prälaten mit repräsentativen Schlössern und Klosteranlagen stand das beherrschte Land der Dörfer (und damit der Untertanen) gegenüber.
Auf der anderen Seite zeigten die tiefgreifenden politischen, militärischen, sozialen und kirchlichen Reformen unter Maria Theresia und Joseph II. besonders ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auch im Herrschaftsraum des Landes unter der Enns deutlich Wirkung. Der frühmoderne Staat dehnte unter dem Vorzeichen der Zentralisierung seine Herrschaft aus, er versuchte den Einfluss der Landstände zu beseitigen, schuf neue staatliche Mittelbehörden, vermaß das Land für die Steuerbemessung, erfasste aus militärischen Überlegungen die Untertanen und disziplinierte gesellschaftliche Randgruppen; in engem kausalen Zusammenhang damit setzte er aber auch erste sozial-, gesundheits- wie bildungspolitische Maßnahmen und reglementierte das Untertanenverhältnis, sodass am Ende des Jahrhunderts schon erste Ansätze der staatsbürgerlichen Gesellschaft erkennbar werden, die im 19. Jahrhundert schließlich die feudalen Abhängigkeiten beseitigen sollten. Im konfessionellen Bereich öffneten die sogenannten Toleranzpatente Josephs II. (1781 für die Protestanten und 1782 für die Juden) erst gegen Ende des Jahrhunderts legale, wenn auch noch immer gegenüber dem Katholizismus eingeschränkte Möglichkeiten für religiöse Minderheiten. In der Ökonomie führten Modernisierungsbestrebungen im Sinne des Kameralismus zu staatlichen Eingriffen in das Gewerbewesen, zur frühen Industrialisierung und zu einer Intensivierung der Ressourcennutzung. Ideengeschichtlich war es im Jahrhundert der Leserevolution vor allem die Aufklärung, die mit ihrem Rationalitätsanspruch, ihrem emanzipatorischen Selbstverständnis und ihrem Fortschrittsglauben dem Jahrhundert eine unverkennbare Signatur gab. Das Prinzip der Vernunft, die Hinwendung zur Empirie in den Naturwissenschaften (aber auch in der Verwaltung) oder die Vorstellung des Naturrechts beeinflussten nachhaltig Denken und Handeln in praktisch allen Bereichen. Österreich unter der Enns war damit in die großen europäischen Entwicklungen eingeschrieben, Verflechtungen und Transferleistungen bestimmten die Geschichte der Region.</dc:description>

  
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